Weltfrauentag: Behinderte Frauen erleben viele Arten der Diskriminierung
Am 8. März ist der Internationale Weltfrauentag. Er hat – noch – nichts von seiner Bedeutung verloren. 2026 steht er unter dem Motto „Rights. Justice. Action.“ -„Rechte. Gerechtigkeit. Handeln. Für ALLE Frauen und Mädchen“.

In diesem Jahr fordert „UN Women Deutschland“ unter anderem „den vollen Zugang zu Recht und Gerechtigkeit für alle Frauen und Mädchen. Dafür müssen diskriminierende Gesetze abgeschafft, Gesetzeslücken geschlossen und patriarchale Normen abgebaut werden.“ Mehr Informationen dazu auf Internationaler Frauentag 2026 – UN Women Deutschland (externer Link).
Der Tag ist laut UN-Woman gedacht für alle Frauen und Mädchen,
- denen nach sexualisierter Gewalt nicht geglaubt wird.
- die zwangsverheiratet werden.
- die ihren gewalttätigen Ehemann nicht verlassen können, weil sie keinen Zufluchtsort, keinen Zugriff auf das gemeinsame Einkommen oder kein rechtliche Unterstützung haben.
- ohne Recht auf Bildung und Teilhabe.
- die nicht frei über ihre eigenen Körper entscheiden können.
Blick auf Situation behinderter Frauen
2024 hatte der Fokus unter anderem auf der Situation von Mädchen und Frauen mit Behinderungen gelegen. Gerade Frauen mit Behinderungen erleben häufig doppelte Diskriminierung, unter anderem sexualisierte Gewalt, Ausgrenzung oder finanzielle Benachteiligungen.

Mehr als jede dritte Frau mit Behinderung in Deutschland zeigt sich um ihre finanzielle Situation besorgt. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage der Aktion Mensch anlässlich des Weltfrauentags 2023. Für die Erhebung wurden Frauen mit und ohne Behinderung sowie die entsprechenden männlichen Bevölkerungsgruppen zu ihren derzeit größten Ängsten befragt. Insgesamt 34 Prozent der Frauen mit Behinderung nannten die Gefahr einer finanziellen Notlage als die dominierende Sorge – im Gruppenvergleich ist die Angst bei Frauen mit Behinderung damit am stärksten ausgeprägt.
„Das ist keine Überraschung. Für Frauen mit Behinderung äußert sich die aktuelle Lage als existentielle Bedrohung. Auch ohne Energiepreiskrise und Inflation sehen sie sich hinsichtlich ihrer Erwerbstätigkeit und Finanzen mit doppelter Diskriminierung konfrontiert und verdienen unabhängig von ihrer beruflichen Stellung durchschnittlich am wenigsten“, betont Christina Marx, Sprecherin der Aktion Mensch.
Frauen mit Behinderung sind auf dem Arbeitsmarkt strukturell benachteiligt. Sie bilden das Schlusslicht bei Gehalt, Vollzeit- und Führungspositionen. Zusätzlich werden Frauen mit Behinderung häufig durch Haushalts- und Familienaufgaben belastet. Dies belegte bereits eine Studie der Aktion Mensch aus dem Jahr 2021 zur Situation von Frauen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt.
Strukturelle Benachteiligung
„Es ist zwingend ein Kultur- und Bewusstseinswandel erforderlich – wir brauchen einen Arbeitsmarkt, der sich Inklusion und Gendergerechtigkeit zur Maxime macht. Gleichzeitig braucht es unterstützende Angebote, um gerade Frauen mit Behinderung den Weg auf den ersten Arbeitsmarkt zu erleichtern”, resümiert Marx.
Dafür unterstützt die Aktion Mensch Förderprojekte wie (externer Link) „Dein Job-FINDer“. Das Angebot des Vereins FortSchritt wendet sich gleichermaßen an männliche und weibliche Arbeitnehmer. Ziel ist es, Menschen mit Behinderung eine dauerhafte Anstellung zu ermöglichen und Inklusion auf dem Arbeitsmarkt zu fördern. (Siehe auch Beitrag Jobbörsen für Menschen mit Behinderung.)
Sorgenfaktor Gesundheitssystem
Die repräsentative Online-Befragung zeigt auch: Neben der Angst vor finanziellen Problemen beschäftigt 18 Prozent der Frauen mit Behinderung vor allem die Sorge bezüglich eines nicht funktionierenden Gesundheitssystems. 16 Prozent geben als dominierende Sorge die Energie- und Klimakrise sowie 12 Prozent eine psychische oder seelische Belastung aufgrund der aktuellen Weltlage an.
Frauenspezifische Themen
Der-Querschnitt.de thematisiert regelmäßig frauenspezifische Themen – unter anderem zur Arbeitsmarktsituation (Frauen mit Schwerbehinderung auf dem Arbeitsmarkt mehrfach benachteiligt) oder zum Umgang mit Bedrohungssituationen (Speziell für Frauen im Rollstuhl: Die eigene Stärke entdecken, Broschüre: Gewalt gegen Mädchen und Frauen mit Behinderung).
Immer wieder kommen starke Frauen mit Vorbildfunktion zu Wort, zum Beispiel in den Beiträgen
- Leben mit Querschnittlähmung: „Hüftaufwärts geht alles. Kopf, Herz und Seele funktionieren, für mich war klar, dass ich den Job machen kann.“
- Leben mit Querschnittlähmung – Rollstühle vor 40 Jahren: Sperrige Riesengurken und ein Hohelied auf die Steckachse
- Als Tetraplegikerin auf dem SUP unterwegs: „Man darf halt nicht aufhören, daran zu glauben“
- Leben mit Querschnittlähmung: „Es sind die kleinen Muskeln in den Schultern, die einen großen Unterschied machen können.“
Auch die Themenbereiche Gesundheit, Kinderwunsch und Sexualität werden frauenspezifisch behandelt, u.a. in den Beiträgen
- Beckenbodentraining – auch bei inkompletter Querschnittlähmung
- Schwangerschaft bei Querschnittlähmung
- Verhütung und Thromboserisiko bei querschnittgelähmten Frauen
- Menstruation und Querschnittlähmung
- Gynäkologische Sprechstunde für Frauen im Rollstuhl
- „Because of my Body“: Sexualassistenz für Frau mit Querschnittlähmung
Die Studie der Aktion Mensch zur Situation von Frauen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt aus dem Jahr 2021 steht unter https://www.aktion-mensch.de/frauenstudie zum Download bereit. Weiterführende Informationen zum Thema „Frauen mit Behinderung und Arbeit“ finden sich zudem im Familienratgeber der Aktion Mensch in der Rubrik Schwerbehinderung/Frauen-Mädchen (siehe auch Beitrag Der Familienratgeber der Aktion Mensch).